Die weltweit größte Fachmesse für Projektladung und Stückgut

Ankaras Ambitionen im Logistikbereich


Gürsel Baran über die Rolle Ankaras beim Aufbau einer regionalen Großmacht in der Türkei



Die Türkei entwickelt sich zu einem unverzichtbaren Knotenpunkt zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten. Gürsel Baran, Vorstandsvorsitzender der Handelskammer Ankara, erläutert, wie sich die Hauptstadt zu einem der wichtigsten Logistikzentren des Landes entwickelt.

Aus Ausgabe 2, 2026 des Breakbulk Magazine.

Frage: Wie würden Sie die Position der Türkei im Logistiksektor beschreiben?


GB: Die Türkei ist dank ihrer geografischen Lage, ihrer Verkehrsinfrastruktur, ihres hohen Handelsvolumens und ihrer dynamischen Wirtschaft einer der wichtigsten Akteure in der globalen Logistik. An der Transitachse zwischen Europa, Asien, Afrika und dem Nahen Osten gelegen, fungiert die Türkei als natürlicher Knotenpunkt für den Ost-West- und Nord-Süd-Handel. Von unserem Land aus lassen sich 67 Länder innerhalb eines Flugradius von vier Stunden erreichen. Dieser geografische Vorteil ermöglicht es der Türkei, als Drehscheibe für Logistik- und Transportaktivitäten zu fungieren.

Der Logistiksektor nimmt innerhalb der Dienstleistungsbranche der Türkei einen bedeutenden Platz ein. Derzeit beläuft sich das Volumen des Logistiksektors auf rund 110 Milliarden US-Dollar, während die Exporteinnahmen etwa 42 Milliarden US-Dollar erreichen. Gemeinsam mit dem Rest der Welt verfolgen wir aufmerksam die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus. In einer Zeit, in der sich die globale Handelslandschaft neu ordnet, sticht die Türkei als zuverlässiger Versorgungsstandort und Logistikdrehkreuz hervor. Dank des integrierten Zusammenspiels von Hafen-, Luft-, Straßen- und Schienenverbindungen befindet sich das Land sowohl im Warenhandel als auch beim Export von Logistikdienstleistungen auf einem nachhaltigen Wachstumskurs.

F: Könnten Sie näher auf den Wandel eingehen, den die Logistikbranche in den letzten Jahren durchlaufen hat?

GB: Digitalisierung und KI stehen an vorderster Front der wichtigsten Treiber des Wandels in der Logistik. KI-gestützte Routenplanung, Lagerautomatisierung und Datenanalyseanwendungen haben das Potenzial, die betriebliche Effizienz zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu senken. Ein erheblicher Teil der Unternehmen in der Türkei hat den Umstieg auf diese Technologien bereits vorangetrieben.

Die Lage der Türkei als Brücke zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten gilt als einer ihrer größten logistischen Vorteile. Initiativen wie das Straßenausbauprojekt und neue Handelskorridore haben das Potenzial, die Türkei in den Mittelpunkt alternativer Lieferketten zu rücken. In einer Zeit, in der globale Lieferketten neu strukturiert werden, erhöht die Suche Europas nach Bezugsquellen in benachbarten Regionen die Bedeutung der Türkei zusätzlich. Dies schafft neue Chancen, insbesondere in der Exportlogistik.

In den kommenden Jahren strebt die Türkei an, in den globalen Logistik-Leistungsrankings aufzusteigen und sich zu einem regionalen Distributionsknotenpunkt zu entwickeln. Die Verwirklichung dieses Ziels würde es dem Land ermöglichen, nicht nur im Transportwesen, sondern auch im Lieferkettenmanagement eine entscheidende Rolle zu spielen. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, die Investitionen in die Infrastruktur fortzusetzen, den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern und den technologiegetriebenen Wandel zu beschleunigen.

F: Wie stehen Sie zur E-Commerce-Logistik?

GB: Die Pandemie, die wir weltweit erlebt haben, hat gezeigt, wie wichtig Flexibilität und Marktdiversifizierung in der Logistik sind. Die Abhängigkeit von einem einzigen Markt kann Schwachstellen schaffen. Vor diesem Hintergrund hat die Türkei im Exportbereich eine „Strategie für ferne Länder“ eingeführt und damit ihre Exportreichweite von 2.000 Kilometern auf 8.500 Kilometer ausgeweitet. Diese strategische Expansion ist auch für den Logistiksektor von großer Bedeutung.

Ich gehe davon aus, dass die kommende Zeit von einem weiteren Wachstum des E-Commerce geprägt sein wird, begleitet von der digitalen Transformation und der Automatisierung im Logistiksektor.

Frage: Wie beurteilen Sie die strategische Lage Ankaras im Bereich Verkehr und Logistik?

GB: Wenn wir Ankara aus verkehrs- und logistiktechnischer Sicht betrachten, sprechen wir nicht nur von einer Hauptstadt, sondern auch vom Herzstück eines vielschichtigen geografischen und wirtschaftlichen Zentrums. Die Lage der Türkei als Schnittstelle zwischen Asien und Europa sowie zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer macht das Land zu einer natürlichen Logistikbrücke auf globaler Ebene. Ankara liegt im Zentrum dieses Gesamtbildes und gehört zu den Städten, die am besten positioniert sind, um diesen Vorteil zu nutzen.

Aus historischer Sicht ist diese Rolle Ankaras nichts Neues. Als Stadt an der alten Seidenstraße ist sie seit jeher ein Knotenpunkt nicht nur für den Handel, sondern auch für Wissen, Kulturen, Glaubensrichtungen und Ideen. Heute wird dieses historische Erbe durch moderne Verkehrsinfrastruktur und Investitionen in die Logistik neu gestaltet.

Die zentrale Lage Ankaras ermöglicht eine schnelle und effiziente Anbindung an alle Teile des Landes. Mit Hochgeschwindigkeitszügen, einem gut ausgebauten Straßennetz und internationalen Flugverbindungen fungiert Ankara als „Tor Anatoliens zur Welt“. Dies bietet einen erheblichen Vorteil bei der Logistikplanung. Die Minimierung von Lieferzeiten, die Senkung von Kosten und die Steigerung der betrieblichen Effizienz unterstreichen die entscheidende Bedeutung der Lage Ankaras.

Daher sollte Ankara nicht nur als Verwaltungszentrum, sondern auch als strategischer Akteur im Zentrum des Logistiknetzwerks der Türkei betrachtet werden. Mit den richtigen Investitionen und einer angemessenen Planung hat die Stadt das Potenzial, sich nicht nur zu einem regionalen, sondern zu einem globalen Logistikzentrum zu entwickeln.

Frage: Wie wirken sich die globalen Entwicklungen auf Ankaras Rolle im Logistikbereich aus?

GB: Die jüngsten weltweiten Entwicklungen haben die Bedeutung von Transport und Logistik deutlicher denn je gemacht. Insbesondere während der Pandemie kam es zu erheblichen Störungen in den Lieferketten, was die Länder dazu zwang, nach alternativen Wegen zu suchen. Die Risiken einer Abhängigkeit von traditionellen Logistikwegen traten deutlicher zutage.

In diesem Prozess hat sich die Türkei dank ihrer geografischen Lage als alternative und zuverlässige Route etabliert. Die Entstehung neuer Korridore im Verkehr zwischen Asien und Europa hat die strategische Bedeutung der Türkei erhöht. In diesem Zusammenhang hat der „Mittlere Korridor“, der sich von China über Zentralasien, die Kaspische Region und die Türkei bis nach Europa erstreckt, im globalen Handel erheblich an Bedeutung gewonnen.

Als eines der wichtigsten Glieder in diesem Korridor festigt die Türkei ihre Position, während Ankara in dieser neuen Ära zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ankara sollte nun nicht mehr nur als Transitknotenpunkt betrachtet werden, sondern als Zentrum, in dem logistische Abläufe geplant, gesteuert und koordiniert werden.

Auch die regionalen Entwicklungen in unseren Nachbarregionen unterstreichen die strategische Bedeutung der Logistik. Regionale Krisen, Unterbrechungen der Handelswege und sich verschiebende wirtschaftliche Gleichgewichte verschaffen Ländern und Städten mit einer starken logistischen Infrastruktur einen Vorteil. In dieser Hinsicht zeichnet sich Ankara durch seine solide Infrastruktur und seine zentrale Lage aus.

Im Zuge der Umgestaltung des globalen Handels verändert sich auch die Rolle Ankaras. Die Stadt entwickelt sich nicht nur zu einem Knotenpunkt für den physischen Transport, sondern auch zu einem Zentrum, in dem Logistikstrategien entwickelt, neue Partnerschaften geschlossen und die Ausrichtung des Handels festgelegt werden.

Frage: Warum ist der multimodale Verkehr in der Logistik wichtig, und wie sieht die Situation in Ankara in dieser Hinsicht aus?

GB: Heute ist die Fähigkeit zur Integration verschiedener Verkehrsträger einer der entscheidenden Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit in der Logistik. Es ist mittlerweile klar, dass Systeme, die sich ausschließlich auf den Straßen- oder Schienenverkehr stützen, nicht mehr ausreichen. Hier rückt das Konzept des „multimodalen Verkehrs“ in den Vordergrund.

Unter multimodalem Verkehr versteht man den integrierten und sich gegenseitig ergänzenden Einsatz verschiedener Verkehrsträger. Dieses System bietet sowohl Kostenvorteile als auch eine gesteigerte betriebliche Effizienz.

Die Eisenbahn zeichnet sich durch ihre hohe Kapazität und Umweltfreundlichkeit aus, während der Straßenverkehr dank seiner Flexibilität und Erreichbarkeit nach wie vor unverzichtbar ist. Der Luftverkehr bietet Geschwindigkeit, insbesondere für Güter mit hoher Wertschöpfung. Der eigentliche Erfolg liegt darin, diese Verkehrsträger nicht als Konkurrenten, sondern als sich ergänzende Elemente zu konzipieren.

Ankara ist in dieser Hinsicht eine der vorteilhaftesten Städte in der Türkei. Seine Lage am Knotenpunkt von Straßen-, Schienen- und Luftverkehrsnetzen bildet eine solide Grundlage für den multimodalen Verkehr. Zu den wichtigsten Stützen dieser Infrastruktur zählen Projekte wie die Logistikbasis Ankara.

Die Logistikbasis in Ankara dient als Knotenpunkt, an dem verschiedene Verkehrsträger zusammenlaufen und an dem Güter effizient verwaltet und verteilt werden. Dank solcher Investitionen entwickelt sich Ankara nicht nur zu einem Produktions- und Konsumzentrum, sondern auch zu einem starken Logistikstandort.

Darüber hinaus beschränkt sich die Logistik nicht mehr nur auf den physischen Transport. Digitalisierung, Datenmanagement, intelligente Verkehrssysteme und Nachhaltigkeit sind mittlerweile fester Bestandteil der Branche. Ankara hat das Potenzial, mit diesem Wandel nicht nur Schritt zu halten, sondern ihn sogar anzuführen.

F: Welche Vision verfolgt die Handelskammer Ankara in diesem Bereich?

GB: Als Handelskammer Ankara betrachten wir Verkehr und Logistik als einen strategischen Sektor für die wirtschaftliche Entwicklung Ankaras. Die Logistikkosten, die Erreichbarkeit und die Qualität der Verkehrsinfrastruktur wirken sich unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit des Handels aus.

In diesem Zusammenhang ist es unser vorrangiges Ziel, die Logistikinfrastruktur Ankaras weiter zu stärken und die Stadt von einem regionalen Zentrum zu einem globalen Logistikdrehkreuz auszubauen. Der Ausbau organisierter Logistikzonen, die Verbesserung der Bahnverbindungen und die Digitalisierung der Transportprozesse sind zentrale Bestandteile dieser Vision.

Wir sind zudem der Ansicht, dass die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen Sektor, der Privatwirtschaft und der Wissenschaft in diesem Prozess eine entscheidende Rolle spielt. Die Entwicklung des Logistiksektors sollte nicht nur durch Infrastrukturinvestitionen, sondern auch durch Wissensgenerierung, Humankapital und Technologie gefördert werden.

Wir sind bereit, mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten, um das Potenzial Ankaras bestmöglich zu nutzen. Wir sind davon überzeugt, dass Ankara zu einer Stadt werden kann, die Ost und West miteinander verbindet, Handel und Logistik miteinander verknüpft und als starker Anziehungspunkt in ihrer Region fungiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ankara das Herz der Türkei ist. Damit dieses Herz kräftig schlagen kann, müssen seine Verkehrsadern schnell, effizient und nahtlos funktionieren. Jeder Schritt, der im Einklang mit dieser Vision unternommen wird, wird nicht nur die wirtschaftliche Stärke Ankaras, sondern auch die der Türkei und der gesamten Region stärken.

F: Könnten Sie erläutern, welche Bedeutung die Teilnahme der Handelskammer Ankara an der „Breakbulk Europe“ und die Mitnahme ihrer Mitglieder zu dieser Veranstaltung hat?

GB: Die Teilnahme an einer renommierten internationalen Messe wie der Breakbulk Europe ist nicht nur ein Besuch, sondern eine strategische Erweiterung für die Wirtschaft. Als Handelskammer von Ankara freuen wir uns, unsere Mitglieder mit Unterstützung unseres Handelsministeriums zu dieser wichtigen Veranstaltung zu begleiten.

Die „Breakbulk Europe“ ist einer der weltweit größten Treffpunkte für Projektfracht, Schwerlastlogistik und Lieferkettenmanagement. Sie vereint ein breit gefächertes Netzwerk, das von Häfen und Logistikunternehmen bis hin zu Entscheidungsträgern aus den Bereichen Energieprojekte und Infrastrukturinvestitionen reicht. Sie bietet den Teilnehmern nicht nur die Möglichkeit, neue Geschäftskontakte zu knüpfen, sondern auch eine Plattform, um die Trends, die den globalen Handel prägen, vor Ort zu beobachten.

Heutzutage findet der Wettbewerb nicht mehr nur auf lokaler, sondern auf globaler Ebene statt. Daher ist es für unsere Unternehmen von entscheidender Bedeutung, ihren Zugang zu internationalen Märkten zu verbessern, neue Partnerschaften aufzubauen und Innovationen in ihren Branchen aufmerksam zu verfolgen. Die „Breakbulk Europe“ bietet genau für diese Zwecke eine einzigartige Plattform.

Wir sind davon überzeugt, dass dieser Besuch unseren Mitgliedern die Möglichkeit bieten wird, neue Märkte zu erschließen, internationale Partnerschaften aufzubauen, Lösungen zu finden, die ihre Logistikprozesse effizienter gestalten, und sich im globalen Wettbewerb besser zu positionieren.

Als Handelskammer von Ankara ist es unser Ziel, unseren Mitgliedern den Zugang zur Welt zu erweitern, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Sichtbarkeit der Geschäftswelt Ankaras auf internationaler Ebene zu erhöhen. Wir betrachten unsere Beteiligung an der „Breakbulk Europe“ als wichtigen Bestandteil dieser Vision.

Oberes Foto: Gürsel Baran, Vorstandsvorsitzender. Bildnachweis: Handelskammer Ankara

Zweites Foto: Yilport Gebze Bulk Cargo Terminal in Kocaeli, Türkei. Bildnachweis: Handelskammer Ankara

Zurück